Malermeisterbetrieb Thomas Köser
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Regelmäßig Lüften gegen Schadstoffe im Wohnraum

Ein Artikel aus der Haus und Grund, Ausgabe 09/2015

Autoren: Prof. Dr. Med. Gerhard A. Wiesmüller und Dr. Rer. Nat. Julia Hurrass

Die Geschichte des Wohnens begann damit, dass Menschen Behausungen nutzten, um sich vor Witterungseinflüssen und Übergriffen zu schützen. Im Lauf der Zeit wurden Häuser und Wohnungen immer weiter optimiert und die Bewohner profitierten in den Unterkünften zunehmend auch von konstanten klimatischen Bedingungen.

Dem steht jedoch der Nachteil gegenüber , dass die Menschen durch diese Entwicklung einer Vielzahl neuer chemischer, physikalischer, biologischer und mikrobiologischer Faktoren ausgesetzt sind. Denn energiesparende Bauweisen mit fehlender natürlicher Ventilation bei gleichzeitigem Eintrag einer Vielzahl von Chemikalien in die Gebäude führen zu einer Anreicherung von Feuchtigkeit, Mikroorganismen und Chemikalien in Haus, Wohnung oder Büro. Daraus entstehen potentielle Gefahren für die Gesundheit des Menschen. Sie können beispielsweise zu Befindlichkeitsstörungen, Irritationen der Schleimhäute von Augen und Atemwegen sowie Reizungen der Haut und Allergien führen. Dieser Problematik ist umso mehr Aufmerksamkeit zu schenken, da sich Menschen-ob nun daheim, am Arbeitsplatz oder beim Einkaufen-durchschnittlich mehr als 90 Prozent des Tages in geschlossenen Räumen aufhalten.

Die meisten Innenraumbelastungen hängen direkt oder indirekt mit einer zentralen Steuergröße zusammen: dem Luftwechsel. In den letzten Jahrzehnten setzte sich mit den zunehmenden Anforderungen an die Energieeffizienz das Konzept einer weitgehend luftdichten Gebäudehülle durch. Dies hat den Vorteil, dass Wärmeverluste durch unkontrollierte Luftinfiltration vermieden und damit der Engeriebedarf des Gebäudes reduziert wird. Allerdings wird dadurch auch der Luftaustausch gestoppt, der früher durch undichte Fugen oder Ritzen auch bei geschlossenen Fenstern sozusagen unbeabsichtigt von alleine erfolgte. Bleibt dieser Luftwechsel aus, geschieht dies nicht nur zu Lasiet einer gesunden Raumluftqualität, sondern erhöht bzudem das Risiko von Feuchteschäden in der Wohnung.

Durch den Wegfall des natürlichen Luftwechsels entsteht ein Risikopotenzial für den Menschen. Schon in den 1990er Jahren wurde erkannt, dass gesundheitliche Beeinträchtigungen bei Menschen auftreten, die keine spezifischen Ursachen haben und mit dem Aufenthalt in Gebäuden in Zusammenhang stehen scheinen. Diese Tatsache wurde unter dem begriff Sick Building Syndrome zusammengefasst. Symtome und Beschwerden im Kontext des SBS sind Reizungen der Schleimhäute von Augen, Nase, Rachen und-oder Bronchien sowie u.a. Kopfschmerzen, Müdigkeit und Schwindel. Viele diese Beeinträchtigungen lassen sich heute auf konkrete Faktoren zurückführen. Gemeinsamer Nenner ist dabei der Zusammenhang mit einem schlechten Innenraumklima, für das ein ausreichender Luftwechsel entscheidend ist. Wenn dieser nicht in ausreichendem Maß gewährleistet ist, verändern sich für die Luftqualität viele wichtige Variablen: CO2 Gehalt, die so genannten VOCs-die flüchtigen organischen Verbindungen in der Luft-oder die Luftfeuchtigkeit und das daraus resultierende Risiko von Schimmelpilzwachstum.

Durch die Anwesenheit eines Bewohners und dessen Atmung steigt das CO2 in der Luft an. In einem 40 qm großen Raum, in dem die Luft einmal pro Stunde komplett ausgetauscht wird, wird beispielsweise durch den Aufenthalt von 4 Personen, die sich nicht besonders körperlich anstrengen, über den Zeitraum von einer Stunde eine Konzentration von 2000 ppm erreicht. Diese stellt nach Angaben der Ad-hoc Arbeitsgruppe Innenraumrichtwerte der Innenraumlufthygiene-Kommission und der Landesgesundheitsbehörden bereits ein hygienisch inakzeptables Maß dar. Mögliche Folgen: Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schwindel oder Konzentrationsschwäche. Erfolgt kein ausreichender Luftwechsel, können Emissionen von neuen Baumaterialien, Einrichtungsgegenständen und Chemikalien wie etwa Lacken oder Klebstoffen zu einer Anreicherung von Schadstoffen, insbesondere VOCs, in der Innenraumluft führen.

Auch für Schimmelpilzwachstum in Gebäuden kann ein mangelnder Luftwechsel der Grund sein. Denn wird Feuchtigkeit, die z.B. vom Kochen, Duschen, Waschen oder Wäschetrocknen im Innenraum an die Raumluft abgegeben wird, nicht abtransportiert, schlägt sie sich an kalten Stellen in der Wohnung nieder, beispielsweise an den Außenwänden. Hier droht in der Folge Schimmelbildung. Oft machen sich die Pilzkulturen auch unsichtbar in Räumen breit, hier etwa hinter Schränken oder im Wandputz. Ohne überhaupt entdeckt zu werden, stellen sie dann eine Gefahr für Bausubstanz und Gesundheit dar.

Was kann man nun tun, um solche Belastungen zu vermeiden? Zunächst gilt es, Emissionen möglichst gering zu halten. Es sollte bewusster darauf geachtet werden, dass man durch die Wahl von Baustoffen, den Kauf von Einrichtungs- und Gebrauchsgegenständen sowie die Nutzung ungeeigneter Reinigungsmittel für Schadstoffquellen in den eigenen Räumen verantwortlich ist. Listen für schadstoffarme Baustoffe sind im Internet zu finden.

Aber auch wenn diess berücksichtigt wird, bleibt es unverzichtbar, für einen regelmäßigen Austausch der Innenraumluft zu sorgen. Den Expertenempfehlungen zu folgen und mind. 3-4 mal täglich querzulüften, gelingt nur wenigen. Einerseits fällt es vielen Menschen schwer, ihre Gewohnheiten zu ändern-zumindest solange die Gefahr noch unsichtbar ist. Während früher in traditionellen Familien immer jemand zuhause war und sich um das Haus kümmerte, sind heute viele Menschen berufstätig und über einen großen Teil des Tages nicht in ihrer Wohnung. Dadurch fehlt jemand, der sich täglich mehrmals um das Lüften kümmern kann. Das hat inzwischen auch der Gesetzgeber erkannt und Probleme durch immer luftdichter werdende Gebäudehüllen in der Energieeinsparverordnung berücksichtigt. Neben der luftdichten Ausführung der Gebäudehülle verlangt sie die Sicherstellung eines Mindestluftwechsels. In der EnEV heißt es: "Zu errichtende Gebäude sind so auszuführen, dass der zum Zwecke der Gesundheit und Beheizung erforderliche Mindestluftwechsel sichergestellt ist." der Einbau manueller Fenster, verbunden mit dem Hinweis an den Mieter oder Eigentümer, regelmäßig zu lüften, reicht in der Regel nicht mehr aus. Die Verantwortung dafür liegt beim Planer, also Architekten, ausführenden Unternehmer oder Handwerker. Allein schon um Schäden am Baukörper und gesundheitliche Beeinträchtigungen der Bewohner durch nicht ausrecihende Lüftung zu vermeiden, sollten auch Bauherren Wert auf die Erfüllung der Anforderung legen.

Es besteht demnach Bedarf an einer konzeptionellen Lösung, um einen ausreichenden Luftwechsel zu gewährleisten. Lösungen bieten sowohl natürliche wie auch künstliche Belüftungen. Im Neubau mit sehr hohen energetischen Standards werden häufig mechanische Lüftungsanlagen eingesetzt. Sie bieten eine sehr gute Möglichkeit, energiereeffizient ein gesundes Raumklima sicherzustellen, da sie im Winter die Wärme zurückgewinnen können.

Allerdings erhöhen solche Anlagen den technischen Aufwand und steigern die Stromkosten, wenn sie im Sommer zur Kühlung mit Außenluft eingestzt werden. Darüber hinaus ist die nachträgliche Installation in modernisierten Häusern kmopliziert und mit hohen Kosten verbunden. Grundsätzlich sollte bei energieeffizienten, modernen Gebäuden darauf geachtet werden, dass nicht alleine die zweifelsohne wichtige Energieeinsparung im Fokus steht, sondern auch ein ausreichender Luftwechsel gewährleistet ist. Dieser muss sich ohne besondere Anstregungen der Gebäudenutzer realisieren lassen. Nur dann sind die Vorausssetzungen dafür gegeben, dass keine Befindlichkeitsstörungen oder gar negative Gesundheitseffekte durch Innenraumbelastungen auftreten und die Gebäudenutzer sich in den Räumlichkeiten wirklich wohlfühlen können. Zur Prävention gebäudebezogener Gesundheitsstörungen sollten demzufolge schon bei der Erarbeitung neuer Gebäudestandards Architekten, Ingenieure und Naturwissenschaftler eng mit Umweltmedizinern zusammenarbeiten. Denn es gilt sicherzustellen, dass die Berücksichtigung wichtiger ökonomischer wie ökologischer Kriterien nicht zu Lasten der Gesundheit der Menschen erfolgt.

Richtig lüften gegen Schimmelpilze in der Wohnung

Schimmelpilz in der Wohnung ist ungesund. Seine Sporen können Asthma sowie Haut- und Schleimhautreizungen auslösen. Schimmelpilze treten überall in der Natur auf. Dort, wo sie günstige Lebensbedingungen vorfinden, vermehren sie sich. Besonders gut entwickeln sich die Pilze bei hoher Luftfeuchtigkeit sowie bei Feuchtigkeit in Materialien oder an deren Oberflächen. In Wohnräumen findet man den Schimmel am häufigsten in Holz, Pappe, Teppichböden, Tapeten, Putz oder im Mauerwerk. Die Ursachen für Schimmelbefall sind vor allem falsches Lüftungsverhalten und Fehler beim Bau bzw. der Planung.

Aber auch der Mensch sorgt für Feuchtigkeit in der Wohnung. Die Mitglieder eines Vier-Personen-Haushalts erzeugen pro Tag durchschnittlich zehn bis zwölf Liter Wasserdampf. Wenn kein ausreichender Luftaustausch stattfindet, schlägt sich an kalten Wänden, Decken oder Fenstern die Nässe nieder - der ideale Nährboden für Schimmel.Stoßlüftung entfernt Feuchtigkeit und bewahrt WärmeDamit die Feuchtigkeit aus dem Haus entweichen kann, sollte regelmäßig gelüftet werden. Die einfachste und sinnvollste Methode zur Feuchtigkeitsreduzierung ist die so genannte Stoßlüftung. Dazu werden die Fenster kurzzeitig vollständig geöffnet. Der Effekt ist noch besser, wenn gleichzeitig die Türen geöffnet werden und Durchzug entsteht.

Da kein Wohnraum dem anderen gleicht, lassen sich nur allgemeine Empfehlungen zur Intensität der Lüftung geben:

  • Normal genutzte Wohnungen sollten während der Heizperiode zwei- bis dreimal täglich durch kurzes Lüften entfeuchtet werden. Je mehr Personen in einem Haushalt leben, desto wichtiger ist das Lüften.
  • Für Neubauten gilt: In der ersten Heizsaison sollte zur Austrocknung der Baufeuchte drei- bis fünfmal pro Tag gut gelüftet werden.
  • Mangelhafte Lüftung kann auch die Ursache feuchter Keller sein. Kellerfenster werden meist im Sommer dauerhaft geöffnet und im Winter fest verschlossen.
  • Falsch ist die Ansicht, dass es im Winter bei Nebel, Regen oder Schnee zu feucht sei, um wirksam lüften zu können. Die Luft ist im Freien zwar feucht, sie trocknet jedoch auf dem Weg durch die - wärmeren - Wohnräume und Keller und nimmt dann zusätzliche Feuchtigkeit mit nach draußen.

Durch das Einhalten dieser Maßnahmen erreichen Sie auf Dauer ein günstiges Wohnklima, entlasten die Umwelt durch die Einsparung von Energie und entlasten durch das Einsparen von Heizkosten Ihre Haushaltskasse.

Quelle: Umweltbundesamt (Link zu: Umweltbundesamt, www.umweltbundesamt.de)

J. Ollenik, E.Blumenfeld, aktualisiert Juli 2009